KI und Rechtsanwälte
Zwölf Artikel aus der Perspektive eines Praktikers: Wie verändert Künstliche Intelligenz die anwaltliche Arbeit — und was bleibt, wenn Maschinen recherchieren, formulieren und zusammenfassen? Ein Rechtsanwalt denkt nach. Ohne Technik-Euphorie, ohne Panikmache.
80 Prozent richtig – und trotzdem falsch gelegen
Ein Mandant hatte sich mithilfe von ChatGPT selbst beraten – mit Paragraphen, Urteilen und überzeugender Argumentation. Alles stimmte. Und doch war die gesamte rechtliche Einschätzung falsch. Was das über KI in der Rechtsberatung verrät.
Prompting für Juristen
Prompting für Rechtsfragen klingt nach einer erlernbaren Technik. Es ist eine – aber nur für diejenigen, die schon wissen, was sie fragen müssen. Über den Dunning-Kruger-Effekt im Recht, die Sachverhaltsquetsche und zwei Prompts, die unterschiedlicher nicht hätten ausgehen können.
Wenn KI erfindet — und dabei völlig überzeugt klingt
Halluzinationen, Datenschutz und Haftung: die drei unterschätzten Risiken beim Einsatz von KI im Recht. Warum ein erfundenes Urteil so überzeugt klingt, wer am Ende geradesteht – und warum ein Teil des Anwaltshonorars in Wahrheit ein Haftungspreis ist.
Darf ich ChatGPT für meinen Rechtsstreit nutzen?
Die ehrliche Antwort: kommt darauf an. Ein Blick auf die Allerweltsfälle, in denen KI wirklich hilft, die Grenze, an der es gefährlich wird – und einen aktuellen Fall aus Leipzig, der zeigt, warum „es hat funktioniert" die falsche Messlatte ist.
LegalTech in der Praxis
Fluggastrechte, Bußgeldbescheide, Inkasso: ein ehrlicher Blick hinter die Versprechen. Warum das eine Modell Zugang zum Recht schafft, wo es sonst keinen gäbe – und das andere vor allem eines schafft: Mandate.
KI, DSGVO und Datenschutz
DSGVO, Berufsgeheimnis, KI-Verordnung: Drei Rechtsrahmen werden schnell vier. Warum „EU-Server" und ein Auftragsverarbeitungsvertrag das Datenschutzproblem nicht lösen – und warum wir uns freiwillig strenger halten, als das Gesetz verlangt.
KI vor Gericht: Unterschrift bleibt Unterschrift
Was KI-erzeugte Schriftsätze für Anwälte, Gerichte und den Ausgang von Verfahren bedeuten. Über eine Unterschrift, die heute ein getippter Name ist – und warum ausgerechnet die Maschine dafür sorgen könnte, dass die Justiz wieder nach Anwälten ruft.
Was ich ohne KI nicht gemacht hätte
Nicht jede Aufgabe, die KI schneller macht, wäre ohne KI langsamer erledigt worden. Manche wäre gar nicht erledigt worden. Über eine Gebührenfrage, die ich jahrelang nicht gestellt habe – und über den Unterschied zwischen einem Sparringspartner und einer Echokammer.
Warum der Anwalt bleibt
Ausblick: Thesen zur KI-Zukunft im Recht
Wenn die Recherche zu früh aufhört
KI-Halluzinationen in Anwaltsschriftsätzen sind kein Kinderkrankheits-Effekt, der sich mit der nächsten Modellgeneration erledigt. Sie sind eine strukturelle Eigenschaft der Technik – und die gefährlichste Spielart ist nicht die erfundene Quelle, sondern die Recherche, die beim ersten Treffer stehenbleibt.
Artikel 12 (Thema folgt)
