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Unfallschaden12. Mai 2026

Hinterbliebenengeld für Enkel nach Verkehrsunfall: Strenge Anforderungen an die besondere Nähebeziehung

Hinterbliebenengeld für Enkel nach tödlichem Verkehrsunfall: Wann besteht ein Anspruch?

OLG Schleswig, Beschluss vom 10.02.2026 – 7 U 81/25 | Quelle: burhoff.de

Verliert ein Mensch durch einen Verkehrsunfall sein Leben, leiden auch die Hinterbliebenen. Der Gesetzgeber hat hierfür das sogenannte Hinterbliebenengeld geschaffen – eine Entschädigung für das seelische Leid naher Angehöriger. Doch wer gilt als „naher Angehöriger“? Eine aktuelle Entscheidung des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts zeigt, dass die Hürden für Enkelkinder hoch sind.

Was ist passiert?

Bei einem Verkehrsunfall im Juli 2021 starben die Großmutter und der Stiefgroßvater des Klägers. Die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers zahlte der Mutter des Klägers für den Tod ihrer Mutter und ihres Stiefvaters jeweils 10.000 Euro Hinterbliebenengeld. Der erwachsene Enkel forderte für sich selbst ebenfalls eine Entschädigung – jeweils 5.000 Euro für den Tod der Großmutter und des Stiefgroßvaters.

Die Versicherung lehnte ab. Begründung: Es fehle das gesetzlich erforderliche besondere persönliche Näheverhältnis zwischen Enkel und Großeltern. Auch das Landgericht wies die Klage nach Anhörung des Enkels und Vernehmung der Mutter als Zeugin ab. Mit der Berufung wandte sich der Enkel an das OLG Schleswig.

Was hat das Gericht entschieden?

Das OLG Schleswig hat die Berufung als offensichtlich unbegründet zurückgewiesen. Ein Anspruch auf Hinterbliebenengeld nach § 844 Abs. 3 BGB, § 10 Abs. 3 StVG bestand für den Enkel nicht.

Die zentralen Punkte der Entscheidung:

1. Vermutung gilt nur für engsten Familienkreis. Das Gesetz vermutet ein besonderes persönliches Näheverhältnis automatisch nur bei Ehegatten, Lebenspartnern, Eltern und Kindern des Getöteten. Enkel und Stiefenkel gehören ausdrücklich nicht zu diesem privilegierten Personenkreis.

2. Strenge Darlegungslast für entferntere Verwandte. Je entfernter der Verwandtschaftsgrad zum Verstorbenen ist, desto stärker muss der Hinterbliebene eine besondere Nähebeziehung darlegen und beweisen. Erforderlich ist eine Beziehung, die deutlich über das hinausgeht, was typischerweise zwischen Enkeln und Großeltern besteht.

3. Regelmäßiger Kontakt reicht nicht. Im konkreten Fall hatte der Enkel ein enges Verhältnis zu seinen Großeltern beschrieben – mit häufigen Treffen, regelmäßigem Kontakt und emotionaler Unterstützung. Das OLG hat darin aber lediglich eine „typischerweise gute" Großeltern-Enkel-Beziehung gesehen, jedoch keine „gesteigerte Nähebeziehung". Hinzu kam, dass sich die Schilderungen des Klägers und seiner Mutter zur Kontakthäufigkeit nicht deckten.

4. Maßgeblicher Zeitpunkt. Entscheidend ist die Beziehung zum Zeitpunkt der Verletzungshandlung – nicht eine frühere oder spätere Phase des Lebens.

Was bedeutet das für Sie?

Wer einen geliebten Menschen durch einen Verkehrsunfall verliert, sieht sich nicht nur mit Trauer konfrontiert, sondern auch mit komplexen rechtlichen Fragen. Das Hinterbliebenengeld soll seelisches Leid zumindest finanziell ein wenig abfedern – doch der Anspruch ist an enge Voraussetzungen geknüpft.

Die Entscheidung des OLG Schleswig zeigt: Für Ehegatten, Eltern und Kinder ist die Rechtslage in der Regel klar. Für andere Angehörige – Enkel, Geschwister, Stiefkinder, langjährige Lebensgefährten – wird es schwieriger. Hier kommt es darauf an, das tatsächlich gelebte Verhältnis zum Verstorbenen sorgfältig und überzeugend darzulegen. Allgemeine Aussagen wie „wir hatten ein enges Verhältnis" oder „wir haben uns regelmäßig gesehen" reichen nicht aus. Die Gerichte verlangen konkrete, nachprüfbare Anhaltspunkte für eine außergewöhnliche emotionale Verbindung.

Hinzu kommt: Auch Widersprüche in den Aussagen verschiedener Familienmitglieder können dem Anspruch im Weg stehen – wie der vorliegende Fall zeigt, wo der Enkel von „nahezu täglichem Kontakt" sprach, seine Mutter aber nur von wöchentlichen Besuchen berichtete.

Versicherungen prüfen Hinterbliebenenansprüche in der Regel sehr genau und lehnen sie bei entfernteren Verwandten häufig pauschal ab. Wer hier nicht von Anfang an gut vorbereitet auftritt, riskiert, einen berechtigten Anspruch zu verlieren – oder, wie im vorliegenden Fall, am Ende eines langen Verfahrens leer auszugehen.


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Verkehrsrecht & Unfallregulierung

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